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Ungleichgewichte und die Finanzkrise – PDF-Download

Jan 2017

Für die Finanzkrise 2008 und den heutigen Zustand der Weltwirtschaft gibt es bereits zahlreiche Erklärungsversuche. Viele Ansätze liefern partiell einen wichtigen Beitrag, verfehlen unseres Erachtens aber oft den Kern des Problems: Das volkswirtschaftliche Kreislaufsystem ist ins Stocken geraten, weil lokale und globale Ungleichgewichte einen Zirkulationsstau verursachen.

In den letzten Wochen haben wir diese Ungleichgewichte beleuchtet und unsere Analysen in einer zehnteiligen Beitragsserie publiziert. Die Gesamtpublikation können Sie hier auch als PDF-Dokument herunterladen: Ungleichgewichte und die Finanzkrise

Die Links zu den einzelnen Online-Beiträgen finden Sie in der folgenden Inhaltsangabe. Im Anschluss daran haben wir unsere Argumentation noch einmal in einer Executive Summary zusammengefasst.

INHALTSANGABE:

1. Volkswirtschaftliche Theorien und Realität

Die Situation der Haushalte und Unternehmen
2. Ungleichheit und Sparschwemme der Haushalte
3. Sparschwemme der Unternehmen
4. Ungleichheit und Schulden
5. Sparschwemme und Handelsbilanzen

Die Rolle der Zentralbanken
6. Sparschwemme, billige Kredite und Vermögenspreise
7. Quantitative Easing (QE) und das Bankensystem
8. Zentralbank-Reserven und Geldschöpfung

Die Rolle des Staates
9. Die Auswirkungen von Staatsschulden
10. Deregulierung, Kreditvergabe und Inflation

 

Executive Summary:

In diesem zehnteiligen Beitrag argumentieren wir, dass die Ursachen der Finanzkrise und der heutige Zustand der Weltwirtschaft vor allem auf folgende Entwicklungen zurückzuführen sind:

Zahlreiche Annahmen der Volkswirtschaftslehre waren und sind in wichtigen Punkten falsch. Dies gilt vor allem für die Annahmen der Geld- und Kreditschöpfung und die angenommene Neutralität der Verteilung von Einkommen und Vermögen (Teil 1).

Die Ungleichheit der Arbeits- und Kapitaleinkommen privater Haushalte hat in den vergangenen Jahrzehnten wieder zugenommen und befindet sich heute nahe ihres historischen Hochs. Diese extreme Ungleichheit zeigt sich in enormen monetären Ersparnissen der Superreichen, mithin in einer „Sparschwemme“ (Teil 2).

Zu dieser Sparschwemme haben auch Unternehmen beigetragen. Denn deren Gewinne sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung stark angestiegen. Unternehmen konnten sich so vielfach von Nettokreditnehmern zu Nettokreditgebern entwickeln (Teil 3).

Diese Sparschwemme entzieht der Volkswirtschaft die Konsum- und Investitionsgüternachfrage und drückt die Zinsen auf den Finanzmärkten. Darüber hinaus verursacht sie auch Handelsbilanzdefizite, da solche Defizite heutzutage weniger von Warenströmen als vielmehr von internationalen Kapitalströmen getrieben werden (Teil 5).

Die Unternehmensgewinne gingen zu Lasten der Lohn- und Gehaltseinkommen, die im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung stark sanken. Der dadurch verursachte Kaufkraftverlust der Arbeiter und Angestellten wurde durch eine stetig ansteigende private Verschuldung ausgeglichen (Teil 4). Diese nicht nachhaltige Entwicklung endete in der Finanzkrise 2008.

Die private Überschuldung schwächt die Bilanzen der Geschäftsbanken und schränkt deren Kreditvergabe ein. Dies wiederum schwächt die Kaufkraft, insbesondere der unteren und mittleren Einkommensklassen, und führt zu einer chronischen Nachfrageschwäche.

Die Zentralbanken bekämpfen diese sektoralen Ungleichgewichte und die Nachfrageschwäche seither mit unkonventionellen Maßnahmen. Diese sind leider nur bedingt erfolgreich und haben enorme Nebenwirkungen: sie heizen die Vermögenspreise an, beschädigen insbesondere das europäische Bankensystem und vergrößern die Ungleichheit nur noch weiter (Teil 6 – 8).

Die Staaten und Regierungen tragen die Hauptverantwortung für die Finanzkrise und deren Bewältigung. Sie waren es, die ein überelastisches Geldsystem geschaffen und durch eine dogmatische Wirtschaftspolitik die sektoralen Ungleichgewichte zugelassen oder sogar verstärkt haben (Teil 9 – 10).

Doch anstatt diese Ungleichgewichte heute durch eine entsprechende Fiskal-, Steuer- und Investitionspolitik abzubauen, halten sie an ihrer einseitigen Wirtschaftspolitik fest und überlassen die Arbeit den Zentralbanken, die ihrerseits ihre Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft haben.

Solange diese Ungleichgewichte weiterbestehen und die Politik keinen Richtungswechsel vornimmt, ist eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung nur schwerlich möglich. Weitere Krisen, in welcher Form auch immer – politisch, wirtschaftlich oder sozial –, sind dann nur eine Frage der Zeit.

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